Auf zum Frauen*kampftag!

Nach der erfolgreichen Mobilsierung gegen den AfD-Bundesparteitag im Dezember 2017, hat sich das Aktionsbündnis „Unsere Alternative heißt Solidarität“ dazu entschlossen, vorerst weiter aktiv zu sein. Als erste gemeinsame Aktion wurde sich auf eine Demonstration zum internationalen Frauen*kampftag am 08.03.2018 geeinigt. Im Folgenden die ausführliche Version des Aufrufs:

RECLAIM FEMINISM!

Auf zum Frauen*Kampfttag 2018!

So lange nur Einige gleichberechtigt sind, sind es Alle nicht!

Feminist*innen haben viele uns heute selbstverständlich erscheinende Freiheiten erstritten. Eine dieser Errungenschaften ist das bürgerliche Wahlrecht, welches vor 100 Jahren in Deutschland eingeführt wurde. Von einer realen Gleichberechtigung sind Frauen* weltweit noch immer weit entfernt. Nicht nur, weil rechts-konservative Nationalist*innen und Anti-Feminist*innen viele dieser Errungenschaften heute wieder in aller Öffentlichkeit bekämpfen. Offener Sexismus und Frauen*Diskriminierung sind fest im alltäglichen Leben von Frauen* verankert.

Wir lassen uns nicht von Rechtspopulist*innen diktieren, wie wir leben und nicht von den Medien, wie wir aussehen sollen.

Sexistische Zustände beenden!

Immer noch erleben Frauen* tagtäglich sexualisierte Gewalt, Belästigung, Diskriminierung und Sexismus. Oft wird ihnen wenig Solidarität entgegengebracht, häufig wird ihnen sogar eine Mitverantwortung zugeschrieben. Sexuelle Belästigung ist kein Kavaliersdelikt und keine Flirttechnik. In der derzeitigen medial geführten Debatte um sexualisierte Gewalt werden feministische Forderungen häufig durch rassistische und anti-muslimische Hetze vereinnahmt.

Wir wehren uns gegen diese Vereinnahmung und stehen für einen antirassistischen Feminismus. Wir fordern, dass Frauen* in ihrer sexuellen Selbstbestimmung ernst genommenen werden und ein Ende patriarchaler Gewaltverhältnisse.

Mein Körper gehört mir!

Zwar sind Abtreibungen unter bestimmten Bedingungen heute möglich, jedoch wird Abtreibung immer noch als Straftat unter §218 StGB aufgeführt. Das Recht auf körperliche Selbstbestimmung von Frauen* wird dadurch aktiv eingeschränkt.

Die Gynäkologin Kristina Hänel wurde im Jahr 2017 nach einer Anzeige zu einer Geldstrafe verurteilt, da sie auf ihrer Webseite über ihr medizinisches Angebot, zu dem auch die Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen gehört, informierte. So versuchen selbsternannte Lebensschützer*innen immer wieder durch Einschüchterungsversuche, Anzeigen und Demonstrationen Frauen* an ihrem Recht auf Abtreibung zu hindern. Häufig müssen Frauen* aus dem ländlichen Raum hunderte Kilometer zurücklegen, um einen Schwangerschaftsabbruch durchführen zu lassen. Wir fordern das volle Recht auf körperliche Selbstbestimmung und damit die Abschaffung des §218! Abtreibung muss für alle Frauen* überall ohne Hürden möglich sein.

Seid Sand im Getriebe der kapitalistischen Ausbeutung!

Die kapitalistische Verwertungslogik betrifft Frauen* besonders, da sie immer noch den größten Teil an gesellschaftlicher Familien- und Sorgearbeit leisten. Gesellschaftliche und finanzielle Anerkennung erfahren sie dafür nicht. Von diesen Ausbeutungsverhältnissen sind insbesondere migrantische Frauen* und Frauen* mit sogenannten Behinderungen weltweit betroffen. So sind es besonders Frauen*, die aufgrund belastender Lebenssituationen wie Alleinerziehung, prekärer Arbeitsverhältnisse, unentgeltlich geleisteter Sorgearbeit usw häufig von Altersarmut betroffen sind. Und auch das deutsche Recht diskriminiert Frauen* beispielsweise durch das heterosexistische Ehegattensplitting oder das sogenannte Prostituiertenschutzgesetz, welches vor allem Sexarbeiter*innen diskriminiert, kriminalisiert und gefährdet, anstatt sie zu schützen.

Wir solidarisieren uns mit allen von Ausbeutungs- und Diskriminierungsverhältnissen betroffenen Frauen* und ihren Kämpfen.

Migration ist legitim. Refugees welcome!

Es sind oft geschlechtsspezifische Gründe, die Frauen* zur Flucht veranlassen. Nicht nur auf der Flucht und in Unterkünften sondern auch im Zielland erfahren sie oftmals sexuelle Übergriffe und müssen darüberhinaus für die Anerkennung geschlechtsspezifischer Fluchtgründe kämpfen. Wir fordern, dass diese Asylgründe ernstgenommen und anerkannt werden! Frauen* aus sogenannten sicheren Herkunftsstaaten und Frauen* aus Osteuropa wird regelmäßig die Legitimität ihres Aufenthalts abgesprochen, Schikane durch Ämter und Behörden sind für diese Frauen* und ihre Kinder Alltag in der Bundesrepublik.

Wir fordern eine menschenwürdige Behandlung aller Menschen auf der Flucht sowie im Zielland.

Gleichstellung ist nicht genug!

Zwar gibt es mittlerweile Gleichstellungsprogramme, welche Frauen* in ihrem Berufs- und Familienleben unterstützen. Allerdings sind diese Förderprogramme nur in wenigen Branchen und damit nur von einem geringen Anteil an Frauen* nutzbar. Eine tiefgreifende Veränderung und wirkliche Gleichberechtigung ist nur möglich, wenn sich die sexistischen Strukturen und Alltagskulturen verändern.

Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt leben!

Wir freuen uns über den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts zur Öffnung für eine weitere Option, neben den binären Geschlechterkategorien von Frau und Mann. Menschen, die nicht eindeutig einer geschlechtlichen Kategorie zugewiesen werden können oder wollen und Menschen, die nicht eine heterosexuelle Sexualität leben, erleben dennoch immer wieder Menschenrechtsverletzungen und Diskriminierungen. Der Kampf um die Anerkennung vielfältiger Liebens- und Lebensweisen ist mit einer juristisch gewonnenen Schlacht nicht vorbei. Wir stehen gemeinsam für geschlechtliche sowie sexuelle Vielfalt ein.

Der Kampf um Freiheit ist international.

Emanzipatorische internationale Projekte verdeutlichen uns, dass feministische Kämpfe jeden Tag geführt werden und dass gelebte Emanzipation und Gleichberechtigung aller Menschen verwirklicht werden können. Wir sind solidarisch mit unseren Freund*innen, die in den Frauenverteidigungseinheiten in Rojava kämpfen, im Iran aus Protest gegen Benachteiligung öffentlich den Hijab ablegen, sich in Somalia der Verstümmelung weiblicher Genitalien entgegenstellen, in Polen für das Recht auf Schwangerschaftsabbruch streiten, sich in Saudi-Arabien über Fahrverbote hinwegsetzen, in Indien um Selbstbestimmung kämpfen oder in Mexiko um ein Ende von sexualisierter Gewalt und Morden ringen. Sie alle kämpfen täglich für eine bessere Welt, indem sie ihr eigenes Leben riskieren.

Was tun!

Feministische Errungenschaften müssen gefeiert werden, nicht nur am internationalen Frauenkampftag. Den feministischen Kampf für eine befreite Gesellschaft und gegen Frauen*unterdrückung müssen wir in jeder Form alltäglich auf der Straße, in der Schule, am Arbeitsplatz, zu Hause oder auch online führen. Dazu rufen wir am internationalen Frauen*kampftag auf und tragen Feminismus auf die Straße.

Schließt Euch zusammen, kommt bunt, laut und kämpferisch zur Kundgebung und Demonstration am Ernst-August-Platz in Hannovers Innenstadt am 8. März 2018 um 17 Uhr.

RECLAIM FEMINISM! Auf zum Frauen*Kampftag 2018!